
Was kann Kommunalpolitik bewirken? Wo können Jugendliche aktiv mitwirken? Die 377. Sitzung des Ortsbeirats (OBR) zeigte, dass Jugendliche ihre Ideen für den Stadtteil Hassee/Vieburg einbringen können.
Im Innenhof des Jugendtreffs „Station 113“ standen Themen wie Verkehr, Schule und Freizeit auf der Tagesordnung – und die Frage, wie junge Menschen stärker an kommunalpolitischen Entscheidungen beteiligt werden können.
„Die Hand heben und etwas verändern – das gilt es kennenzulernen,“ so der OBR-Vorsitzende Thorsten Becherer (Grüne) an die anwesenden Bürgerinnen und Bürger vieler Altersstufen, die im Innenhof des Jugendtreffs zusammenkamen.
Mit der Verpflichtung eines neuen Mitglieds zog gleich frischer Wind in den OBR ein. Für den ausgeschiedenen Christian Jopen (SPD) wurde Hannah Albig verpflichtet. Die 28-Jährige ist in Hassee ansässig und seit zwei Jahren in der SPD aktiv. Damit ist sie das jüngste OBR-Mitglied im Bezirk. Für sie persönlich sei der Jugendschwerpunkt „besonders interessant“.
Auch der vakant gewordene Posten des ersten stellvertretenden Vorsitzenden stand durch Jopens Abschied an. Einstimmig gewählt wurde das langjährige OBR-Mitglied Oliver Vongehr (SPD).
Walking-Busse und Elternparkplätze an der Theodor-Heuss-Schule
Ein wichtiges Thema für die junge Generation in Kiel sind sichere Schul- und Freizeitwege. In Hassee betrifft dies z. B. die Theodor-Heuss-Schule, die aufgrund ihrer Sackgassenlage vor Schulbeginn zum gefährlichen Nadelöhr wird – nicht zuletzt durch Elterntaxis. Nach einem Besuch der Schule durch das Tiefbauamt im Jahr 2024 wurden Rückmeldungen zu den Schulwegen eingeholt. Hier wurde ein Bedarf an Elternhaltestellen sowie Walking-Bussen, d. h. Laufbushaltestellen, bei denen Kinder in Gruppen gemeinsam zur Schule gehen, festgestellt. Bereits im Herbst soll die Umsetzung solcher Zonen erfolgen. Als neue Elternhaltestellen werden jeweils Stellplätze für drei Autos im Streitkamp und in der Braustraße frei gemacht. Diese werden zunächst mit Schildern für eingeschränktes Halteverbot versehen und farblich markiert. Sollte sich dies bewähren, werden hier dauerhafte Elternhaltestellen eingerichtet.

Ladesäule am Jugendtreff
Der geplante Bau einer Ladestation für E-Scooter an der „Station 113“ soll nun doch zeitnah umgesetzt werden. Henning Ohrt vom Amt für Kinder- und Jugendeinrichtungen betonte die zunehmende Bedeutung solcher Angebote für die Mobilität von Jugendlichen und arbeitet gemeinsam mit weiteren Ämtern sowie der Immobilienwirtschaft an einem Nutzungskonzept.
Nachdem die Umsetzung bislang unter anderem an Fragen des Brandschutzes, der Finanzierung, möglichem Vandalismus und der Abrechnung der Stromkosten gescheitert war, wurde nun eine Lösung gefunden. Die „Station 113“ soll als Pilotstandort für Ladesäulen im Außenbereich dienen. Nach Angaben der Beteiligten könnte die Umsetzung bereits im Laufe des Sommers erfolgen. Die Ankündigung „Die Ladesäule kommt!“ durch den OBR-Vorsitzenden wurde von den anwesenden Jugendlichen und weiteren Gästen mit Applaus aufgenommen.
Ideen für Hassee/Vieburg
Nach zunächst verhaltener Beteiligung brachten zwei Jugendliche konkrete Anliegen vor. Ein Mädchen regte die Einrichtung eines Fahrradständers vor dem Mädchentreff Rela an. OBR-Mitglied Solveig Seelbach (CDU) bat darum, den gewünschten Standort sowie Angaben zur benötigten Anzahl der Stellplätze zu konkretisieren.
Ein Schüler sprach sich für mehr frei zugängliche Fußballplätze mit Minitoren im Ortsbezirk aus. „Es gibt nicht viele freie Plätze, auf denen wir spielen können“, erklärte er und verwies auf bessere Angebote in Hamburg. Henning Ohrt (Amt für Kinder- und Jugendeinrichtungen) machte jedoch deutlich, dass aufgrund der finanziellen und planerischen Rahmenbedingungen höchstens ein solcher Platz pro Jahr realisiert werden könne.
Als mögliche Standorte wurden der Bolzplatz im Kolonnenweg sowie eine von einem Bürger vorgeschlagene Ausgleichsfläche am CITTI-PARK diskutiert. Dort könnten im Zuge geplanter Parkplätze auch Freizeitangebote wie ein Kleinfeld-Fußballplatz entstehen.
Grünpfeil für Radfahrende
Über die Errichtung eines Grünpfeils für Radfahrende an der Kreuzung Hasseer Straße / Rendsburger Landstraße legte Kerstin Quellmann (Grüne) einen Beschlussvorschlag vor, um die Situation für Radfahrende zu entschärfen. Radfahrende, die von der Rendsburger Landstraße in die Has-seer Straße einbiegen, müssen bei Rot an der Ampel warten – oft ohne passierende Fußgänger. Daher wird die Verwaltung beauftragt, die Errichtung eines Grünpfeils zu prüfen.
Förderung des Radverkehrs
Offene Punkte sind hierbei die Entschärfung der S-Kurve auf der Veloroute 10 (Höhe Christianistraße), die „schon vor längerer Zeit versprochen wurde“, so Becherer. Auch der Radfahrweg in der Saarbrückenstraße, dessen Umsetzung auf sich warten lässt, solle nun auf Priorität 1 gesetzt werden. CK