
Kommentar zur jüngsten Sitzung des Ortsbeirats Hassee / Vieburg von Jens Uwe Mollenhauer
Das Gästekloster „Haus Damiano“ und das „Café unterm Kirchturm“ an der Liebfrauenkirche im Krusenrotter Weg 41 sind Orte der Begegnung von Menschen.
Die Schwestern weisen konkret auf das Kuchenangebot im Café jeden Dienstag, Donnerstag und Freitag zwischen 15 und 17 Uhr hin. Gern tagt auch der Ortsbeirat Hassee/Vieburg in diesen Räumen. Doch trotz des friedlichen Ambientes war die Diskussion bei der Sitzung am 18. Februar nicht ausschließlich von Konsens geprägt.
Buslinien in der Kritik
Seit knapp zwei Jahren plagen sich die Einwohner der hinteren Hamburger Chaussee damit herum, dass die Buslinien 12 und 13 nicht mehr ab Schulensee verkehren, die Personenbeförderung vielmehr seitdem von Autokraft abgewickelt wird.
Wiebke Bonow vom Eigenbetrieb der Stadt Kiel ist zuständig für die Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG). Sie wurde einmal mehr zum Ortsbeirat gebeten, um Antworten auf drängende Fragen zu geben. Angesichts der vielen Kritikpunkte hatte sie keinen leichten Stand.

Wir erinnern uns: Im Frühjahr 2023 musste die KVG durch den akuten Personalmangel die Fahrleistung um etwa 10 % reduzieren. Keine einfache Aufgabe, wenn niemand
unverhältnismäßig belastet werden sollte. Hieß es seinerzeit noch, die fehlenden Buslinien würden so schnell wie möglich wiederkommen, wenn genügend Fahrpersonal am Start wäre, ist davon nun gar nicht mehr die Rede. Nicht nur, dass der Kieler Süden nicht von der Stadtbahn profitieren wird, auch die Wiederherstellung der ursprünglichen Verkehrsleistung ist offenbar vom Tisch.
Erst wenn die damalige Gesamtverkehrsleistung von 11,6 Millionen Jahreskilometern überschritten wird, könne überhaupt darüber nachgedacht werden, den Busverkehr in der Hamburger Chaussee aufzuwerten. Das wird sicherlich noch ein bis drei Jahre dauern. Einwohner des Kieler Südens wissen solche Jahresangaben realistischer einzuordnen.
Wie nicht anders zu erwarten, sorgte diese Ansage für reichlich Unmut. Statt des Zehn-Minuten-Taktes kommt der Bus alle Viertelstunde, am Wochenende entsprechend seltener. Bestimmte Busse sind immer extrem voll – es fiel der Vergleich mit Spargel in der Dose. Dann müssen Kinderwagen und Rollstühle schon mal draußen bleiben.
Besonders für Kritik sorgt die häufige Unpünktlichkeit. Die Busse sind nicht nur oft zu spät, sondern fahren gelegentlich auch mehrere Minuten zu früh. Dies ist ärgerlich und überflüssig, wenn deswegen Bahnanschlüsse nicht verlässlich erreicht werden. Vielfahrer haben schon gelernt, am Wochenende mindestens eine halbe Stunde früher losfahren zu müssen.
Dazu kommt der missliche Umstand, dass der Verkehrsverbund NAH.SH die Fahrgastinformation auch nach Jahren nicht in den Griff bekommt. Oftmals zeigen die Echtzeitanzeigen etwas anderes an als die NAH.SH-App auf dem Smartphone. Wer es zuverlässig möchte, nimmt die Deutsche Bahn-App, denn die speist sich offenbar aus frischeren Daten und meldet z. B. ausfallende Verbindungen früher.
Was tatsächlich abfährt, ist häufig Glückssache. Denn Autokraft-Busse erscheinen oft als „Geisterbusse“ auf den Anzeigen, nicht immer jedoch dann, wenn sie wirklich kommen. Die große rote Anzeigetafel im Hauptbahnhof enthält gar keine Autokraftbusse, obwohl sie die einzigen sind, die noch zu den „Hinterwäldlern“ jenseits des Wulfsbrook aufbrechen.
Die Linienführung der Schulbusse wird widersprüchlich kommuniziert. Wer in einen solchen Bus gerät, wundert sich, wenn der Bus die untere Hamburger Chaussee unerwartet auslässt.
Lob für Fußverkehrsbeauftragten
Seit einigen Jahren gibt es in Kiel einen Fußverkehrsbeauftragten. Ihm müssen die Ohren geklungen haben. Obwohl nicht persönlich anwesend, bekam der im Tiefbauamt angesiedelte Till Zeyn einiges an Lob.
Es ist erklärtes Ziel der Stadtverwaltung, die Situation für den Fußverkehr deutlich zu verbessern. Zeyn ist mit Engagement dabei, die Stadt als Ort des Lebens und nicht nur des Fahrens neu zu definieren. Wie sich aber zeigt, nützt der beste große Wurf wenig, wenn es an allen Ecken und Kanten kneift. Darum gibt es eine Prioritätenliste zahlreicher lokaler Knackpunkte – natürlich auch im Kieler Süden –, derer sich die Verwaltung annehmen soll. Ganz oben auf der Liste sind Gefahrenpunkte, die besonders relevant für Schulkinder sind, da sie sich täglich den Gefährdungen aussetzen müssen, und das bei vermutlich weniger Verkehrskompetenz.
Seit Jahren in der Kritik ist die Querung der Hamburger Chaussee am Hammerbusch mit völlig unzulänglichem Gehweg. Auch eine Querungshilfe in Höhe der Töpfergrube wäre dringend wünschenswert. Unter anderem diese Punkte haben sich über die Jahre bis zur obersten Priorität hochgearbeitet – was freilich nicht automatisch bedeutet, dass die Umsetzung unmittelbar bevorstünde. Die Fußweg-Knackpunkteliste der Stadtverwaltung hat immerhin eine beträchtliche Länge von 126 verbesserungsbedürftigen Stellen.
Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, bemerkt sofort, dass auch diese Liste nur höchst unzulänglich den tatsächlichen Bestand an Fußweg-Mängelstellen abdeckt. Gar nicht erwähnt wird z. B. das permanente Gehwegparken im „Grünen Herzen“. Auch die Parkplätze im Abschnitt der Hamburger Chaussee in Höhe Waldwiese verengen den Gehweg in unzumutbarer Weise, ohne dass dieser Missstand in der Liste erwähnt würde. Ein weiteres Dauerärgernis sind die behindernd abgestellten Elektoroller, ohne dass es sichtbare Gegenmaßnahmen gibt.
Genauso ignoriert fühlen sich Fußwegbenutzer, wenn die Gehwegplatten vielerorts nach der Glasfaserverlegung unsachgemäß verlegt wurden und auch nach Monaten teils zentimeterhohe Stolperfallen nicht beseitigt werden.
KIEL LOKAL hat im vergangenen Sommer etliche weitere Knackpunkte aus der Leserschaft gesammelt. Der Ortsbeirat erinnert sich in diesem Zusammenhang an die Zusage, dass eine Stadtteilexkursion zusammen mit dem Fußverkehrsbeauftragten stattfinden wird.

Dank an den Seniorenbeirat
Ihren letzten offiziellen Auftritt beim Ortsbeirat hatten Maren Hintz und Karl Stanjek, deren Ehrenamt im Seniorenbeirat der Stadt Kiel in diesen Tagen nach fünf Jahren endet.
Nicht nur im Ortsbeirat, sondern auch in verschiedenen anderen Gremien legten sie den Finger in mehr als eine Wunde und trugen mit Engagement und Kompetenz maßgeblich zur Verbesserung der Situation der älteren Generation bei. Dieser Einsatz wurde vom Ortsbeirat entsprechend gewürdigt.
Beide waren stets gut zu Fuß, doch in Zukunft wird sich der Ortsbeirat nur noch barrierefreie Tagungsorte suchen können, was kein unerhebliches Unterfangen wird.
Die nächste Sitzung findet am Dienstag, dem 18. März, um 19.30 Uhr bei der Stiftung Drachensee (Hamburger Chaussee 221) statt. Thema wird u. a. die Kommunale Wärmeplanung sein. JM