BoxZentrum Kiel feiert zehnjähriges Bestehen am Alten Güterbahnhof
Viele Besucher, Gratulanten und Interessierte kamen am 5. Juli zur Jubiläumsfeier des BoxZentrums Kiel, um Inhaber Michael Neumann zum zehnjährigen Bestehen am Tonberg zu gratulieren.
Das BoxZentrum selbst ist zwar bereits älter, zog 2015 jedoch um, als Neumann, Inhaber zweier Baufirmen, die Immobilie in Eigenregie renovierte und das heutige BoxZentrum mit zwei Hallen, einem Fitnessbereich sowie einem Café im Obergeschoss entstehen ließ.
Auf dem Gelände vor den ehemaligen Güterhallen saßen Mitglieder und Interessierte auf zahlreichen Bänken vor dem Getränkewagen oder dem Foodtruck zusammen. Für die kleinen Gäste gab es eine Hüpfburg, die auf große Freude und leuchtende Kinderaugen stieß.
Insgesamt wirkte es eher wie ein Grillfest unter Freunden. Dieser Eindruck verstärkte sich beim Anblick, wie herzlich jeder Gast vom Betreiber per Handschlag persönlich begrüßt wurde. Nicht zuletzt deshalb fühlt man sich hier sofort wohl, denn die gelassene und bodenständige Art des 62-jährigen Inhabers überträgt sich sofort.
Neumann, früher Profifußballer, musste seine Karriere nach einem Unfall aufgeben. „Irgendwas musste ich trotzdem machen”, erklärt er und kam so zum Boxen. „Ich habe gemerkt, wie hart es ist und dass es viel Disziplin erfordert. Man muss ruhig bleiben und Selbstvertrauen entwickeln”, so der heutige Trainer. Die Leidenschaft für den Boxsport ist bei ihm greifbar, sodass man sich am liebsten selbst die Boxhandschuhe anziehen und sofort loslegen möchte.

Mittlerweile hat das Boxzentrum rund 270 Mitglieder. Zu Gründungszeiten waren es gerade einmal zwölf. Von den Bambinis, das heißt den Sechs- bis Zehnjährigen, über die Jugendlichen von 10–14 Jahren bis hin zu Erwachsenen finden alle das passende Training. Circa 30 % der Mitglieder sind Mädchen und Frauen, die sowohl in „gemischten” Gruppen als auch in separaten Frauengruppen und unter weiblicher Leitung trainieren können.
Auch bietet das BoxZentrum für jedes Fitnessziel das richtige Training. Neben dem „klassischen” Vollkontaktboxen in verschiedenen Schwierigkeitsstufen gibt es die Möglichkeit zum Fitnessboxen, um sich selbst (ohne Gegner) zu fordern. Auch Selbstverteidigung kann erlernt werden. Das betreuen immer lizenzierte Trainer. „Nicht wie im Fitnessstudio”,
berichtet Michael Neumann.
Für die Jugendlichen ist ein Trainer eine Art Vertrauensperson. „Manche Jugendliche lassen sich zu Hause nichts mehr sagen. Daher ist das Training hier auch immer ein wenig Bootcamp.”
Seit 2022 können die Mitglieder des VfB Kiel im BoxZentrum trainieren, denn dieser hatte damals unter der Leitung des Vorsitzenden Nico Florean das Vereinsangebot erweitert und eine Boxsparte ins Leben gerufen. Im selben Jahr wurden gleich fünf von sieben Landesmeistertiteln für den Verein gewonnen.
Durch den VfB Kiel hat das BoxZentrum viele ehrenamtliche Trainer sowie zusätzliche Mitglieder erhalten. Die VfB-Mitglieder zahlen einen ermäßigten Beitrag. Dafür können sie an jedem Training teilnehmen und
auch den Fitnessbereich nutzen. Für Kinder gibt es gesonderte Preise und Vertragsmodelle.
Besonders stolz ist der Inhaber auf seinen neuen Chefcoach Arton Krasniqi, der noch vom langjährigen Boxtrainer Holger Sass trainiert wurde. Krasniqi, der als 13-Jähriger mit dem Boxen anfing, wollte eigentlich nie Trainer werden. Doch nachdem Holger Sass verstarb und er sah, dass es niemanden gab, der die Boxer mit Profiambitionen trainieren konnte, entschied er sich, ehrenamtlicher Trainer zu werden. Dabei weiß der studierte Wirtschaftsingenieur, dass ein guter Trainer viel ausmacht.„Ich komme selbst aus Mettenhof. Ohne meine Trainer wäre ich damals bestimmt abgerutscht”, so der 33-Jährige.
Die oberste Regel beim Boxen ist für Krasniqi Respekt und Disziplin. „Sonst sind die Boxer bei uns nicht willkommen”, betont der mehrfache Landesmeister. Außerdem legt er großen Wert auf die schulische Ausbildung seiner Schützlinge. „Ohne gute Schulnoten lasse ich sie nicht boxen”, erklärt der Trainer, während er den Jugendlichen, die zeigen, was sie bei Krasniqi gelernt haben, letzte Anweisungen gibt.
Auch für Betreiber Michael Neumann findet Krasniqi warme Worte: „Das Gute bei Micha ist: Wenn etwas fehlt, ist er immer da. Auch wenn mal eines der Kinder nicht zahlen kann, findet er eine Lösung.”

Für die Zukunft hat Neumann einiges vor: „Ich plane eine gesonderte Gruppe für Menschen mit Parkinson, da ich diesbezüglich schon einige Anfragen hatte”, erklärt der Betreiber. Sein Motto: „Wir bekommen das hin.” Bei so viel positiver Energie und Gelassenheit verwunderte es nicht, dass auch der einsetzende Regen die Feierlaune der anwesenden Jubiläumsgäste nicht beeinträchtigen konnte. VB
