Schöne Kindheit im Behelfsheim

1949: Neben der bestehenden Holzbaracke (im Hintergrund) wurden in der Rendsburger Landstraße 113 vier Kleinstreihenhäuser gebaut. Fotos: Stadtarchiv Kiel

Serie „Archivfotos aus dem Kieler Süden“.
Teil 73 über die Kleinstreihenhäuser der Siedlung „Klein London“

Unweit der Wohnsiedlung „Klein Moskau“ gab es in der Rendsburger Landstraße noch eine weitere Reihenhaus-Siedlung: das sogenannte „Klein London“.

Die Siedlung bestand aus einer Holzbaracke und vier Kleinst­reihenhäusern, die im Winter 1948/49 gemauert wurden. Unsere Leserin Helga Frick ist dort aufgewachsen. „Die Wohnungen waren klein, aber schön“, sagt sie. Die Zimmer mögen etwa 6–9 m² bemessen haben. Ein Badezimmer gab es nicht. Alle vier Wochen durfte die Familie in die Waschküche.

„Wir haben eine schöne Kindheit gehabt. Der Zusammenhalt war gut.“ Es gab viele Kinder zum Spielen. „Wir sind auf der Dallmeier-Kuhle Schlittschuh gelaufen und auch auf dem Drachensee.“

Praktisch für Helga Frick, dass direkt neben den Reihenhäusern die Albert-Schweitzer-Schule war, damals eine reine Mädchenschule. Sie erinnert sich noch gut an ihre Lehrerin der ersten Klasse: „Wenn ich etwas Verkehrtes gesagt habe, hat Fräulein Bock an meinem Ohr gezogen. Dann kam die richtige Antwort.“

Bis zur neunten Klasse ist sie hier zur Schule gegangen und hat bis 1964 in „Klein London“ gewohnt. 1970 wurde auf dem Grundstück ein achtstöckiger Wohnblock von der Kieler Wohnungsbaugesellschaft errichtet. CF

1954: Die Kinder störten sich nicht an den kleinen Zimmern. Sie haben hier eine schöne Kindheit verbracht.
1949: Vater Willi Eschert kam als Flüchtling aus Angermünde (an der Oder) und war froh, in Kiel-Hassee eine feste Wohnung für sich und seine Familie zu bekommen.
1959: Die beiden Eschert-Mädchen Ingrid und Helga vorm Wohnzimmer-fenster. Fotos: Helga Frick