Sind Fußwege zum Parken da?

Ortsbeirat Hassee/Vieburg diskutierte über Umbau des Hornheimer Wegs

Keine Sommerloch-Themen, stattdessen ein Berg an Arbeit. Der Ortsbeirat Hassee/Vieburg tagte nach der Sommerpause. Es gab viel zu besprechen und – wie so oft – ging es dabei auch wieder um Verkehrsthemen.

Erfreut das Fußgängerherz weniger: Der eher symbolische Gehweg auf der anderen Straßenseite ist zu schmal, um einem Kinderwagen zu begegnen.

Wie immer erhitzen sich die Gemüter beim Thema „Ich will mein Auto kostenlos im öffentlichen Raum abstellen, und zwar vor meiner Haustür.“ Der Ortsbeirat beklagt, dass es zu den aktuellen Baumaßnahmen im Hornheimer Weg keine Vorabinfo gegeben hat.
Was ist passiert? Der breite Gehweg wurde im Zuge der Kanalsanierung zu einem echten Bordsteingehweg aufgewertet. Als gestalterisches Element wurde der Belag zweifarbig angelegt. Kreative Parker glauben in der Farbgebung eine Aufforderung zum Senkrechtparken (auf dem Gehweg) zu erkennen. Was dann aber vom Gehweg übrigbleibt, liegt zwischen null und 70 Zentimetern.
Die Meinungen gehen auseinander, ob an dieser Stelle jemals Fußwegparken erlaubt war. Definitiv soll es das in Zukunft aber nicht mehr sein. Stattdessen entsteht hier ein breiter Bürgersteig mit hoher Aufenthaltsqualität – besonders attraktiv als Zugang zum Vieburger Gehölz. Das gefällt nicht allen, denn es wird schwieriger, hier eine von der Allgemeinheit bezahlte Parkmöglichkeit zu finden. Auch der Ortsbeirat reiht sich in den Reigen derer ein, die fordern, einen Teil des neuen Gehwegs doch zum Parken freizugeben.
Damit wirft er aber eine mühsam erkämpfte Vorgabe der Stadt Kiel für mehr Fußgängerrechte über Bord, die festlegt, dass Fußwege vorrangig eine Breite von mindestens 3,60 Meter haben sollen.

Immer Ärger mit E-Scootern
„Werden die Anbieter der E-Scooter gezwungen, die Roller endlich ordentlich abzustellen – oder werden die Dinger in Kiel ganz verboten?“ Die Frage aus dem Publikum hätte nicht eindrücklicher die aufgeheizte Stimmung zu dem Thema ausdrücken können.
Die chaotisch abgestellten Roller sind ein permanentes Ärgernis. Noch größer aber der Ärger, dass nichts dagegen unternommen wird. Die Wut entlädt sich dann oft im ohnmächtigen Umwerfen der Roller.
Angeblich hat die Stadt keine Handhabe. Allerdings war herauszuhören, dass es sehr wohl Möglichkeiten gibt, die Anbieter in die Pflicht zu nehmen, z. B. Verbotszonen zu erlassen oder den Nachweis ordentlichen Parkens durch ein Nutzerfoto zu erzwingen. Ein Ratsbeschluss müsste ggf. her.
Der Vorschlag, jeder könnte ehrenamtlich den QR-Code am Roller scannen und Anzeige erstatten, bzw. sich die Apps aller Rollervermieter installieren und die Beschwerdefunktion nutzen, war vermutlich nicht ernst gemeint.

Bewerber für Seniorenbeirat

Volker Berg (links) und Roger Fahrenholz bewerben sich für den Seniorenbeirat und wollen eigene Themenschwerpunkte einbringen.

Kiel hat einen 24-köpfigen Seniorenbeirat, ein offizielles demokratisches Gremium der Landeshauptstadt – ausgestattet u. a. mit dem Recht, Anträge in der Ratsversammlung zu stellen. Von ihm kommen immer dann Stellungnahmen, Vorschläge und Kritik, wenn es um die Bedürfnisse und Interessen der älteren Mitbürger, immerhin rund 60.000 Menschen, geht – also durchaus eine Aufgabe mit Gewicht. Leider aber nicht nur das. Als Ehrenamt wohnt diesem Job auch ein gerüttelt Maß an persönlichem und unbezahltem Arbeitsaufwand inne. Wer sich für fünf Jahre darauf festlegt, muss also wissen, worauf er sich einlässt. Leider reicht die „Ehre“ heutzutage immer weniger Menschen aus, um Bereitschaft für ein Ehrenamt zu entwickeln. Umso erfreulicher, dass sich zwei Kandidaten aus dem Kieler Süden bereitgefunden haben und auch der Ratsversammlung vorgeschlagen werden sollen:
Volker Berg (70) ist seit 30 Jahren bedingt durch seine Schwerbehinderung im (Un-)Ruhestand. Er möchte etwas zurückgeben, wie er sagt. Er blickt zurück auf seine ehrenamtliche Tätigkeit im Behindertenbeirat. Seine Mobilität spielt sich auf einem Elektro-Rolli ab. Das öffnet die Augen für die spezifischen Probleme, mit denen Menschen mit eingeschränkter Mobilität täglich konfrontiert werden.
Volker Berg wohnt in einem Pflegeheim und „genießt“ somit den unverstellten Blick auf den derzeit permanenten Pflegenotstand. Damit sind seine „Lieblingsthemen“ bereits gesetzt.
Roger Fahrenholz (64) ist als Techniker im Bereich Hausnotruf bei der Johanniter Unfallhilfe ebenfalls „vom Fach“. Er gehört zu der Generation, die im aktiven Berufsleben den Übergang vom rein Analogen zur Volldigitalisierung komplett miterlebt hat. Entsprechend verfügt er über das Verständnis aus beiden Welten und kann den Finger in die Wunde legen, wenn es um Barrierefreiheit bei öffentlichen Einrichtungen aller Art geht, sei es die elektronische Antragstellung, sei es die zunehmende Vernachlässigung der nicht-digitalen Bevölkerung bis hin zum Smartphone-Zwang für immer mehr Lebensbereiche.
Die nächste Sitzung des Ortsbeirats Hassee/Vieburg findet am Dienstag, dem 15. Oktober, um 19.30 Uhr in den Räumen des ASB in der Hamburger Chaussee 90 statt.

„Rote Bank“ als Zeichen gegen Gewalt an Frauen
Die häusliche Gewalt hat zuletzt wieder zugenommen. Etwa jeden zweiten Tag stirbt in Deutschland eine Frau an den Folgen von Misshandlungen durch ihren Partner – viermal weniger Männer sind betroffen. Die „Rote Bank“ ist eine besonders gestaltete Sitzbank im öffentlichen Raum, die auf das Problem aufmerksam machen soll und gleichzeitig Platz zum Innehalten bietet.
Mit der „Roten Bank“ soll auch im Kieler Süden ein Zeichen gesetzt werden, finden das Frauenbündnis Kiel und die Initiativgruppe Frauenhaus und möchten, dass wenigstens eine Rote Bank an exponierter Stelle aufgestellt wird. Das Thema kam an. Zahlreiche Vorschläge zu möglichen Standorten wurden sofort gesammelt und sollen dem Grünflächenamt zur kurzfristigen Stellungnahme vorgestellt werden. Bei der Gelegenheit kam heraus: Die Stadtverwaltung weiß nicht, wo die eigenen Sitzbänke stehen.

Kein Platz für die anna-Netzwerker?
Dem Ortsbeirat ist aufgefallen, dass das Amt für Soziale Dienste zwar die private Initiative der anna-Netzwerke (siehe eigener Beitrag) nach Kräften unterstützt, die Aktiven aber im Regen stehen, wenn es um überinstitutionelle Räumlichkeiten geht. Nicht alle können sich in Gaststätten mit Verzehrzwang einmieten. Oder nicht jeder möchte Kirchenräume nutzen – es fiel das Stichwort „Weihwasserallergie“. Es geht nun die dringende Aufforderung an die Stadtverwaltung, den eigenen Bestand an öffentlichen Räumlichkeiten zu überprüfen und eine Liste von Räumlichkeiten zu erstellen. In Frage kommen z.B. Wartebereiche von Behörden, Schulen, die bezahlt wurden und dann auch dauerhaft umfassend genutzt werden sollten. JM