Täuschungen auf der Spur

örderverein für Medienkompetenz in Schulen e. V.
Klasse 7b, in der Mitte v. l. Schulleiterin Ulrike Mangold, Björn Schneider (Vorsitzender Förder- verein Medienkompetenz in Schulen), Inga Goldbeck (Förde Sparkasse), rechts außen: Tim Engel

GemSKro-Klasse wurde sensibilisiert, um Deepfakes und Fake News zu erkennen

Manipuliertes Text-, Bild- oder Videomaterial ist mittlerweile im Netz leider keine Ausnahme mehr. In allen Bereichen des Internets müssen wir damit rechnen, Opfer von Fake News und Deepfakes zu werden.

Während man Texte durch gründliche Recherche oft entlarven kann, wirken die mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) generierten, täuschend echt aussehenden Ton-, Bild- und Videoaufnahmen (Deepfakes) oft besonders glaubwürdig. Kinder und Jugendliche verbringen einen großen Teil ihrer Freizeit im Netz und stoßen dabei immer wieder auf Deepfakes, ohne es zu merken.

Förderverein für Medienkompetenz

Ulrike Mangold, Schulleiterin der Gemeinschaftsschule Kronshagen, weiß, wie notwendig deshalb die Auseinandersetzung mit Themen wie künstlicher Intelligenz, Deep-fakes und Medienkompetenz für ihre Schüler und Schülerinnen ist: „Es ist wichtig, dass sie frühzeitig ihre Aufmerksamkeit für Auffälligkeiten von Bild- und Videomaterial schärfen, sodass sie Deepfakes erkennen und sich sicherer im Internet bewegen können.“

Nicht für alle Themen hat die Gemeinschaftsschule eigene Experten, und so arbeitet sie gern mit außerschulischen Kooperationspartnern zusammen. So ist sie Ende 2024 eine Kooperation mit dem Förderverein für Medienkompetenz in Schulen e. V. eingegangen. Ziel dieses Fördervereins ist es, Schulen in der Region Kiel im Bereich Medienkompetenz durch Finanzierung von Projekten zu unterstützen. Die Schüler und Schülerinnen sollen für den kritischen Umgang mit Medien und eine reflektierte Nutzung von Informationsquellen sensibilisiert werden. Darüber hinaus gibt es Weiterbildungsangebote für Lehrkräfte. Der Verein finanziert sich durch Spenden und wird von der Förde Sparkasse Kiel unterstützt.

Siebtklässlerin Sita Steinig absolviert die spannende Abschlussprüfung mit einer VR-Brille.
Klasse 7b als „Deepfake Detectives“

Zum Auftakt der Kooperation hat Ulrike Mangold zusammen mit Tim Engel als Klassenleiterteam mit ihrer 7b das Angebot „Deepfake Detectives“ von techagogics ausprobiert. Das Team von techagogics besteht aus studierten Soziolog*innen, Politikwissenschaftler*innen und Technologieexpert*innen, die mit einem Virtual-Reality-Spiel mit VR-Brille und Workshops die „Deepfake Detectives“ entwickelt haben, um die Schüler und Schülerinnen mit möglichst viel Spaß, spannend aufbereitet und auf Augenhöhe für das Thema „Deepfakes“ zu sensibilisieren.

Außerschulischer Lernort

Das 3,5-stündige Angebot fand in der Pumpe in Kiel statt. Auch wenn der Aufwand mit Hin- und Rückfahrt groß ist, befürwortet Klassenlehrer Tim Engel außerschulische Lernorte sehr: „Die Schülerinnen und Schüler zeigen ein ganz anderes Interesse außerhalb ihres gewohnten Umfeldes. Das Team von techagogics findet als nicht bewertende Experten einen anderen Zugang zu ihnen.“ Die Atmosphäre in den Workshops war interessiert, fröhlich und aufmerksam mitarbeitend.

Impulsvortrag mit Quiz

In einem Impulsvortrag wurde den Siebtklässlern zu Beginn erläutert, was Deepfakes sind. Und es wurden ihnen altersgerecht die Grundlagen von Bild- und Videomanipulation, Trainingsdaten und Algorithmen oder Gesichtserkennung erklärt. Durch ein interaktives Quiz, bei dem es auf Schnelligkeit und Richtigkeit der gegebenen Antworten ankam, waren die Schülerinnen und Schüler die ganze Zeit eingebunden, sodass die Rückmeldung der Siebtklässler trotz des anspruchsvollen Themas durchweg positiv waren.

Wie erkenne ich Deepfakes?

In Workshops in kleinen Gruppen lernten die Jugendlichen an konkreten Beispielen wie sie anhand von Proportionen auf Fotos, Übergang von Vordergrund zu Hintergrund, Licht und Schatten, Farbfehlern, fehlenden Falten u. v. m. Deepfakes von Originalen unterscheiden können. Die Schülerin Julie Hopp war überrascht, was möglich ist: „Für mich war es interessant zu sehen, an welchen Merkmalen man sehen kann, ob Bilder mit der KI erstellt worden sind und was man mit KI alles machen kann.“

Virtual-Reality-Station

Highlight für die meisten Schülerinnen und Schüler war die Nutzung der VR-Brille, mit der sie sich ins fiktive Bundesamt für Cyberkriminalität begeben konnten, um eine Abschlussprüfung zu absolvieren. So löste auch Ben Trautmann mit großer Begeisterung die verschiedenen Aufgaben mit spannenden VR-Interaktionen, bei denen Deepfakes enttarnt werden mussten: „Der Workshop war insgesamt richtig gut und hat viel Spaß gemacht. Am besten war die Station mit den VR-Brillen und die Aufgaben, die man dort erledigen musste.“

Reflexion und Nachhaltigkeit

Die Siebtklässler diskutierten auch Fragen wie „Welche Anwendungsfelder siehst du für Deepfakes? Welche Herausforderungen bereiten Deepfakes? Wo ist ihr Einsatz kritisch und wo muss er unbedingt reglementiert werden?“
Zum Schluss wurde den Jugendlichen die Frage gestellt: „Was hast du zu Beginn des Workshops gedacht und was denkst du jetzt?“ Damien Sauer hat dazu eine klare Meinung: „Ich versuche jetzt, genau aufzupassen, ob nicht manches Deepfake ist, und hinterfrage manches genauer.“ Genau das war das Ziel des Workshops: Ziel erreicht!

Text und Fotos: Silke Umlauff

Die Siebtklässler Leo Moser, Jannes Pagels, Lennard Sebelin und Julie Hopp entlarven mit viel Spaß Deepfakes.
In kleinen Teams wird den Schülerinnen und Schülern erklärt, woran sie mit KI veränderte Fotos erkennen können.