Wald in Hammer: Anwohner fordern mehr Transparenz bei der Wiederaufforstung

Wald in Hammer
Annika Sørensen im Wald in Hammer
Annika Sørensen zeigte uns die Auswirkungen der massiven Eingriffe. Wo einst viele Fichten standen, ist nur noch eine riesige Schneise übrig.

„Ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr”, heißt es umgangssprachlich, um einen fehlenden Durchblick zu suggerieren. In Hammer ist dies nicht mehr der Fall, wurden doch im Herbst des vergangenen Jahres verteilt über den ganzen Stadtteil in großem Umfang Bäume entnommen, um – so die Landeshauptstadt Kiel – einen klimagerechten Wald zu initiieren.

An vielen Orten liegen Unmengen an Bruchholz und Tannennadeln, welche zu einer Übersäuerung des Waldbodens und damit zu Strukturschäden und Nährstoffmangel des Bodens führen können.
Vor diesem Hintergrund bestehen bei der Anwohnerschaft Zweifel an der Begründung und insbesondere daran, ob das Ausmaß der Entnahme tatsächlich erforderlich war. KIEL LOKAL traf sich mit Annika Sørensen, Anwohnerin in Hammer, die sich bis zum Herbst vergangenen Jahres bisher nicht umweltpolitisch engagierte.

Kahlschlagähnliche Zustände sorgen für Kritik

Doch die kahlschlagähnlichen Zustände in Hammer haben die 34-jährige Managerin zum Umdenken bewegt. Sie gründete die Initiative „Wiederaufforstung für Hammer“, die sowohl online als auch per „Nassunterschrift“ mittlerweile mehr als 1.400 Unterschriften gesammelt hat. Dies zeigt, wie sehr der Wald seinen Anwohnern am Herzen liegt, wohnen in den Stadtteilen Russee/Hammer/Demühlen zusammen doch gerade mal knapp 8.700 Einwohner.
Bei dem Stadtteil Hammer handelt es sich insofern um ein besonderes Wohngebiet, als der Stadtteil in den 1920er-Jahren als Gartenstadt angelegt wurde. Damals war das Ziel, Natur- und Erholungsräume zu schaffen.

Was der Ratsbeschluss zum Kieler Wald vorsieht

Ein Ziel der Petition ist es, diese Erholungsfunktion zu erhalten. Die Erholungs- und Schutzfunktion ist laut Ratsbeschluss (1154/2022) und Rahmenkonzept Klimaanpassung für die Landeshauptstadt Kiel der Nutzfunktion vorrangig. Darin ist eine naturnahe Weiterentwicklung des Kieler Waldes vorgegeben, ohne Einschränkung der Erholungsfunktion. Auf kommerziellen Holzeinschlag sollte nach dem Ratsbeschluss verzichtet werden. Lediglich Maßnahmen zur Verkehrssicherung und der dem Klimawandel geschuldeten Anpassung sollten möglich sein.
Aus Anwohnersicht gehen die durchgeführten Maßnahmen an diesem Ziel vorbei. „Der Eingriff wird von den Bewohnern als sehr intensiv wahrgenommen. Man hat den Eindruck einer massiven Störung, die den Erholungsraum beeinträchtigt“, erläutert Sørensen die Sichtweise der Hammeraner.

Anwohner kritisieren Ausmaß der Baumfällungen

Nach Auffassung der Petitionsinitiative entsteht in Hammer der Eindruck einer flächenhaften Entnahme. Kritisiert wird zudem, dass nicht nur standortfremde Bäume, sondern darüber hinaus weitere Baumarten entnommen wurden. Dieser Eindruck wird durch den Einsatz eines Harvesters bestärkt, einer schweren Industriemaschine zur flächigen Holzernte.
Darüber hinaus bestand nach Auffassung der Initiative auch kein akuter Handlungszwang. Insofern es lediglich um die Waldränder geht, wäre das Argument der Verkehrssicherung laut Sørensen noch tragbar gewesen. „Die Waldwege in Hammer sind allerdings nicht gewidmet. Die Wälder betrete ich auf eigene Gefahr“, erläutert die Petitionsgründerin. Weshalb dennoch massive Schneisen innerhalb des Waldes geschnitten wurden, ist somit nicht nachzuvollziehen. Bis neue Bäume nachwachsen, wird es jedoch Jahre bzw. Jahrzehnte dauern.

Forderung nach Nachpflanzung und Aufforstung

Ein weiteres Anliegen sind laut Sørensen kompensierende Maßnahmen. Es muss über eine Nachpflanzung bzw. zeitnahe Aufforstung für die kahlen Bereiche in Hammer diskutiert werden. „Dafür benötigt es aus unserer Sicht keine weiteren Landschaftsschutzgebiete, die gerade diskutiert werden, vielmehr muss man sich einfach nur an die politischen und rechtlichen Vorgaben halten“, erklärt Sørensen die Forderung.
Der Verzicht auf den kommerziellen Holzeinschlag sowie die Einbindung von Umweltverbänden, Ziele, die im Ratsbeschluss festgelegt wurden, seien ebenfalls in den Hintergrund getreten. „Dass wirtschaftliche Aspekte keine Rolle gespielt haben sollen, scheint unter Berücksichtigung der Eingriffsintensität schwer nachvollziehbar“, erläutert Sørensen die Wahrnehmung der Initiative.
Dieser Eindruck wurde dadurch unterstützt, dass mehrfach Sattelschlepper vorfuhren, um das aufgestapelte Holz abzuholen. Zum Teil sei das Holz nach Korea abtransportiert worden, zum Teil erfolgte laut Sørensen ein Weiterverkauf nach Litauen. Darüber hinaus wurden von Anwohnern Sattelschlepper der Firma Trede gesehen, die das säuberlich aufgestapelte Holz abholten, einer Preetzer Firma, die neben Halblatten und Zaunpfählen vor allem Brennholz herstellt.

Transparenz beim Holzverkauf gefordert

Aus diesem Grund benötige es Transparenzpflichten beim Holzverkauf, da aus Sicht der Initiative die derzeitige Umsetzung des Waldkonzeptes den politischen Vorgaben sowie den gesetzlichen Regelungen widerspreche.
Der Prozessschutz, welcher auf eine möglichst störungsarme Waldentwicklung ohne Eingriffe des Menschen abzielt, soll in den Vordergrund gerückt werden und nicht die Wirtschaftsform als solche. Dafür sei es erforderlich, das Konzept der sogenannten „Z-Bäume“, also der Zukunftsbäume, welche gezielt gefördert werden, um einen hochwertigen Holzertrag zu generieren, überdacht wird, da andernfalls regelhaft forstwirtschaftliche Maßnahmen erforderlich sind, die dem Wald und seinen Lebewesen langfristig schaden werden.

Runder Tisch soll Lösungen für den Wald bringen

Schließlich fordert die Initiative Kommunikationsbereitschaft vom Grünflächenamt mit allen Akteuren. Anwohner und Naturschutzverbände sollen bei derartigen Eingriffen frühzeitig eingebunden werden. Durch den unermüdlichen Einsatz der Initiative soll es nunmehr einen „runden Tisch“ geben, um sich über konstruktive Lösungsmöglichkeiten hinsichtlich der Umsetzung des Waldkonzeptes auszutauschen. Teilnehmer sollen die Stadt Kiel, Naturschutzverbände und die Initiative selbst sein sowie der Ortsbeirat für die Moderation. Dieser hatte sich um einen „runden Tisch“ bemüht, während das Grünflächenamt das als nicht zielführend bewertete. Zugleich wurde eingeräumt, dass die beauftragte Firma bei den Fällarbeiten „zu robust“ vorgegangen sei.
Die angekündigte Waldbegehung wird von der Petitionsinitiative begrüßt. Da bereits frühere Vor-Ort-Termine jedoch keine Klärung der fachlichen, rechtlichen und politischen Fragen herbeiführen konnten, hält sie ergänzend einen moderierten Austausch in kleinerem Kreis weiterhin für sinnvoll.

Waldbegehung mit dem Förster am 29. August

Am Samstag, 29. August, findet von 14–16 Uhr eine Waldbegehung mit dem Oberförster und dem Sachbereichsleiter vom Grünflächenamt statt.Treffpunkt ist am Eingang zum Tiergehege Hammer. Themen: Warum sind Maßnahmen erfolgt? Wo sind ggf. Fehler passiert? VB

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