Bericht aus der 366. Sitzung des Ortsbeirats Hassee/Vieburg
Die einleitenden Worte zur Sitzung des Ortsbeirates Hassee/
Vieburg am 20. Mai in der Theodor-Heuss-Schule sprach die stellvertretende Schulleiterin Frauke Grohmann.
Die Grundschule wurde ins Programm „Startchancen-Schulen“ aufgenommen, da auch im beschaulichen Hassee die Herausforderungen gestiegen sind, vor allem durch einen steigenden Anteil an Kindern mit überwiegend nichtdeutschsprachiger Vorschulzeit sowie immer mehr Kinder mit besonderem Förderungsbedarf. Frauke Grohmann freute sich sichtlich über das Förderprogramm: „Das bringt uns in den nächsten zehn Jahren viel Geld von der Stadt.“
Eine riesige Aufgabe wird es zudem sein, die Schule ab Sommer 2026 in eine „Offene Ganztagsschule“ weiterzuentwickeln. Darauf haben die Eltern Anspruch, und das wird definitiv kommen. Die Frage ist nur, woher sollen die zusätzlich benötigten Räumlichkeiten kommen? Hier sind die Diskussionen gerade erst am Anfang und einige Änderungen absehbar.
Kriminalität im Stadtteil
auf niedrigem Niveau
Der Ortsbeirat behandelte als Schwerpunkt die Sicherheit im Stadtteil. Dazu waren der Ordnungsdezernent und die Polizei erschienen. Dienststellenleiter Lasse Ratjen von der Polizeidienststelle Rendsburger Landstraße 206 blickt sehr entspannt auf das vergangene Jahr zurück und resümiert: „Ich als Stationsleiter in Hassee führe ein sehr ruhiges Leben.“ Die Polizei versteht sich als Bürgerpolizei. „Wenn Sie Sorgen und Nöte haben, kommen Sie vorbei. Sie finden immer ein offenes Ohr.“
Schwerpunktmäßig befassen sich die zehn Polizeibeamten im Stadtteil mit Sachbearbeitung, Prävention und Kinder-Verkehrserziehung. Insgesamt bewegen sich die Deliktzahlen hier auf einem vergleichsweise sehr niedrigen Niveau. Eine Erhöhung um wenige Fälle im Jahr 2024 ist prozentual auffällig, aber absolut gesehen eher wenig. Demnach gab es eine deutliche Zunahme bei Diebstählen, Keller-, Dachboden- und Waschküchen-Einbrüchen. Andererseits gingen Wohnungseinbrüche, die uns viel sensibler berühren, zurück. „Viele Taten wurden im
Versuchsstadium abgebrochen“, so Polizeihauptmeister Ratjen.
Eine wichtige Rolle spielt nach wie vor die Beschaffungskriminalität von Drogensüchtigen. Von dort schwappt manchmal etwas aus einem benachbarten Stadtteil über. Oft sind es einzelne Täter, denen eine hohe Zahl von Taten zugeordnet werden kann. Wird einer dingfest gemacht, brechen die Fallzahlen sofort drastisch ein.
Mit dem Vandalismus auf dem Schulgelände war sofort Schluss, nachdem die Polizei begonnen hatte, ab und zu einen Streifenwagen vorbeizuschicken.
Insgesamt ist es also eher ruhig im Quartier. Selbst der CITTI-PARK als Treffpunkt täglich Tausender Menschen hat nur ein vergleichsweise geringes Problem mit Kriminalität.
Als krasser Einzelfall bleibt das versuchte Tötungsdelikt unter Jugendlichen in Erinnerung. Nur dem beherzten Eingreifen der Hilfskräfte ist zu verdanken, dass der betroffene Junge noch am Leben ist. Die Polizei engagiert sich seit Längerem intensiv in der Jugendarbeit. Jugendsachbearbeiter widmen sich den Jugendlichen und begleiten sie engmaschig.
Schwerere Verletzungen
durch Pedelecs und E-Scooter
Im Straßenverkehr verletzte Personen sind im Stadtgebiet vor allem Radfahrer. Die Anzahl der bei Unfällen Verletzten hat sich in den letzten Jahren durch stark gestiegene Motorisierung von Fahrrädern und Rollern enorm gesteigert. Höheres Tempo und höheres Gewicht multiplizieren eben das Verletzungsrisiko.
Sobald das Thema Verkehr angeschnitten wird, kommen die vielen großen und kleinen Ärgernisse auf den Tisch. Den einen stören die Raser, die am Abend durch die Rendsburger Landstraße brettern, die andere wird durch E-Roller auf den Fußwegen und rücksichtslose Radfahrer belästigt. Wieder andere sind wütend, weil sie den Radweg vor der Schule nicht benutzen können, wenn täglich Helikopter-Muttis darauf parken, damit der Nachwuchs sicher bis vor den Klassenraum kutschiert wird. Bei allem gilt doch die alte Regel: Rücksichtslosigkeit hat nichts mit der Verkehrsmittelwahl zu tun. Und für alle verbindlich ist der §1 der Straßenverkehrsordnung, den jedes Kind bei der Fahrradprüfung auswendig lernen musste. Hielte sich jeder daran, bräuchte es die restliche Straßenverkehrsordnung größtenteils wohl nicht.
Der ebenfalls eingeladene Ordnungsdezernent Christian Zierau konnte seinerseits einiges zum Thema Sicherheit beitragen. Er lobte die hervorragende Zusammenarbeit der gesamten „Blaulichtsparte“. Feuerwehr und Rettungsdienste sind sehr gut aufgestellt. Zudem gab es weniger Brände. Beim Katastrophenschutz wurde viele Jahre wenig gemacht. Doch die aktuelle weltpolitische Lage zwingt dazu, das Thema neu zu denken. Zierau sieht Kiel gut gerüstet, auch beim Zusammenwirken mit der Bundeswehr. Ordnungspolitisch ist das aber noch nicht alles.
„Sie bekommen das gar nicht mit, was wir so alles machen. Zum Beispiel Lebensmittelkontrollen. Wenn jetzt die Kieler Woche kommt, mit dem Ausschank in den Buden, da können Sie sich sicher sein, dass unsere Leute da sind und sich jeden Stand angegucken.“
In die Zuständigkeit des Ordnungsdezernenten fallen auch die Verkehrsüberwachung und der Kommunale Ordnungsdienst. Er erwähnte, dass es gelungen sei, die offene Drogenszene zu verdrängen, z. B. in Wohnungen. Auch habe man bei anlasslosen Waffenkontrollen bis zu zehn Prozent Trefferquote. Die „Messerkriminalität“ habe deutschlandweit stark zugenommen. „Jeden zweiten Tag schaut jemand in ein Messer“, war sein zugespitztes
Zitat, dem allerdings die Bezugs-
größe fehlte (In Kiel? Oder in Deutschland?), und darin ist auch die weit überwiegende Zahl der
Fälle enthalten, in denen es nicht zur Gewaltanwendung kam.
Was alle beitragen können
„Fehlende Hundekotbeutel, illegale Müllentsorgung und Ratten – und so viele andere Dinge, die uns stören und die nicht in Ordnung sind – sie können nicht alle ordnungspolitisch gelöst werden“, so der Ordnungsdezernent.
Aber es gibt Möglichkeiten, die Ordnungsbehörden auf Missstände hinzuweisen: etwa die gemeinsame Behördenrufnummer 115 oder die Homepage www.kiel.de, auf der E-Mail-Adressen zu finden sind – vom Kommunalen Ordnungsdienst bis zur Verkehrsüberwachung. Wenn eine Tempokontrolle Sinn hätte, wird diese Information gern angenommen. Zudem gibt es noch die App „Kiel.MeldeMöwe“. Kategorie auswählen, Foto machen, Ortsangabe machen, senden – fertig.
Die nächste OBR-Sitzung findet am 17. Juni voraussichtlich in der Gesamtschule Hassee statt. Es geht um den geplanten Ausbau der Autobahn im Zuge der B 404. JM
