Wo 24 Stunden am Tag gearbeitet wird

Eine der wenigen Gelegenheiten, einmal zuzuschauen, was mit unserem Restmüll passiert. Der Ortsbeirat Hassee/Vieburg und Gäste auf dem Weg zur Krankanzel, von wo aus die Öfen beladen werden. Fotos: Jens Uwe Mollenhauer

Ortsbeirat Hassee/Vieburg zu Gast in der Müllverbrennungsanlage

Was eine halbe Million Menschen täglich an Restmüll produziert, muss irgendwo hin.

Der Ortsbeirat tagte im Januar in den Verwaltungsräumen der Müllverbrennungsanlage Kiel (MVK) am Theodor-Heuss-Ring. Anlass genug, sich zuvor einmal die Anlage von innen anzusehen.

Geschäftsführer Dr. Frank Ehlers verteilte Besucherhelme, und dann ging es los. Das Gebäude, das wir von außen mit seinem prägnanten Doppelschornstein meist nur aus dem Augenwinkel wahrnehmen, öffnet sich zu einer gigantischen Halle mit verwirrenden Rohren und Installationen. Alles ist blitzeblank.

Ehlers erklärt die Anlage in verständlichen Worten, sodass das Gewirr seine Bedeutung bekommt. Zwei riesige Brennöfen werden für die Laien erkennbar. Der Müll hat etwa den Brennwert von Braunkohle, brennt also von selbst. Eine schräge Fördervorrichtung sorgt für Nachschub in der Brennkammer – gerade so schnell, bis alles verbrannt ist. Am Ende wird die Asche abgelöscht und krümelt in den Schlacke-Behälter. Ganz oben über dem Müllbehälter sorgt der Kranführer dafür, dass kontinuierlich genug Müll „nachgefüttert“ wird, denn die Anlage läuft optimal, wenn sie voll ausgelastet ist – und das normalerweise an 24 Stunden jeden Tag.
Damit keine giftigen Dämpfe entweichen, besitzt die MVK eine mehrstufige redundante Rauchgasreinigung. Das heißt: Selbst wenn mal eine Stufe ausfällt, kann der Betrieb weitergehen, da alle Funktionen von den anderen Stufen aufgefangen werden, ohne dass es zu Grenzwertüberschreitungen kommt.

Zwischen den beiden Brennöfen ist noch etwas Platz. Hier soll – wenn die MVK denn den Zuschlag bekommt – der Ofen zur Klärschlammverbrennung errichtet werden. Die Kläranlagen sind nämlich in Zugzwang, denn in Zukunft wird es komplett untersagt, Klärschlamm in der Landwirtschaft einzusetzen. Zu hoch sind die Belastungen. Noch werden die Klärschlämme Hunderte von Kilometern transportiert, um in Kohlekraftwerken mitverbrannt zu werden. Das soll bald entfallen. Die im Klärschlamm enthaltenen Phosphate sollen auch gleich umweltfreundlich und wasserschonend zurückgewonnen werden. Frühestens Mitte 2029 könnte es so weit sein.

Frank Ehlers verrät zum Schluss des Rundgangs noch, dass die gesamte Anlage von nur wenigen Mitarbeitern bedient wird. Wenn das Verwaltungspersonal zu Hause ist, sorgen vier Männer an weit auseinanderliegenden einsamen Posten in diesem riesigen Komplex dafür, dass Kiel unterbrechungsfrei mit Fernwärme und Strom versorgt wird und wir unseren Restmüll stets zuverlässig loswerden.

Aktueller Baustellen-Stand

Nur wenige weitere Themen beschäftigten den Ortsbeirat. Die Bauarbeiten in der Helgolandstraße sind weitgehend abgeschlossen. Die Baugrube ist geschlossen, die Maschinen abgezogen. Nur die letzte Asphaltschicht fehlt noch. Es fehlte nur noch die Ansage, dass die Abschlussarbeiten vorgenommen werden, sobald es das Wetter zulässt. Doch den Stadtwerken ist unterdessen eingefallen, dass die frische Unterdecke wieder aufgerissen werden muss, da noch ein Stromkabel zu verlegen ist. Dafür wird es wieder eine größere Verkehrssperrung geben.

Hier wurde kürzlich ein Rollator-Unfall beobachtet. Die immer noch zu hohe Bordsteinkante sollte entschärft werden.

Auch für die Hasseer Straße gibt es eine vorläufige Fertigmeldung. Auch hier soll es bei passender Witterung weitergehen, wobei es auch wieder zu Straßensperrungen kommen wird.
Vor etwa einem Jahr wurde das Bauprojekt Eisenbahnbrücke am Winterbeker Weg vorgestellt. Im Zuge der Bahnelektrifizierung wurden ambitionierte Realisierungspläne vorgestellt. Nun ist voraussichtlich nicht mehr vor 2026 mit dem Abbruch der alten Brücke und einhergehender Sperrung des Winterbeker Wegs zu rechnen.
Die einst für Juli letzten Jahres angekündigte Verlegung der Veloroute 10 an der gefährlichen Kurve beim alten Bahnwärterhaus lässt weiter auf sich warten. Einzige sichtbare Baumaßnahmen sind ein vor längerer Zeit abgerissener Schuppen und einige gärtnerische Aktivitäten. Von einer vorrangigen Entschärfung der Gefahrenstelle kann also nicht die Rede sein.

Kein Hotspot für Straftaten

Der mutmaßliche versuchte Mord an einem 13-jährigen Jungen Mitte Januar auf einem Schulhof in der Diesterwegstraße hat den sonst so friedlichen Stadtteil jäh aufschrecken lassen. Etwa um die gleiche Zeit zerfetzte nur wenige hundert Meter weiter ein Sprengsatz den Zigarettenautomaten. Die Polizei spricht von Einzelfällen. Eine besondere Häufung an schweren Straftaten ist nach ihrer Einschätzung keinesfalls gegeben.

Neues Behörden-Portal

Damit die Einwohnerschaft der Landeshauptstadt sich selbst einen Überblick verschaffen kann, ob und inwieweit die Behörden mit den z. B. im Ortsbeirat angesprochenen Anliegen vorangekommen sind, wurde unter kiel.de ein Portal geschaffen, in dem genau diese Dinge abgerufen werden können. Zunächst werden dort nur Anliegen behandelt, die das Tiefbauamt betreffen – das sind aber erfahrungsgemäß die weitaus meisten.
Zur nächsten Sitzung ist der Ortsbeirat am 18. Februar um 19.30 Uhr zu Gast im Gästekloster „Haus Damiano“, Krusenrotter Weg 41. JM