Archivfoto-Serie: Teil 81 über Seifenfabrik ‚Sievers & Brandt‘ im Saarviertel
Peter Schumacher wohnte 80 Jahre lang in der Mettlachstraße im Saarviertel. Für KIEL LOKAL hat er einige Kindheitserinnerungen auf der Schreibmaschine getippt.
Die Seifenfabrik ‚Sievers & Brandt‘ wurde in den Jahren 1909–1911 erbaut. Fabrikate waren Seifen und Seifenpulver der Marke ‚Siebra‘. Die Firma hatte auch kleine Verkaufshäuschen, eines an der Ecke Kirchhofallee/Harmsstraße.

Der Fabrik angegliedert war ein großer Garten, eigentlich schon ein Park, der sich an den Grundstücken der Mettlachstraße und Ottweilerstraße hinzog. Abgegrenzt war er durch eine drei Meter hohe Mauer, versehen mit Glasscherben und Stacheldraht auf der Mauerkrone. Der Park hatte Laub- und Nadelbäume, Obstbäume, Beetbepflanzungen, einen kleinen Teich mit Steingartenanlage sowie der Gartenlaube zur Ottweilerstraße hin. Es waren Gärtner übers Jahr dort tätig.

Für uns Kinder hatte der Park in den Nachkriegsjahren und frühen Fünfzigern etwas Geheimnisvolles. Wir haben oft über die Mauer geblickt und sind sogar mal drübergeklettert, wenn ein Ball über die Mauer flog.
Die Seifenfabrik bestand bis etwa 1954, wohl deswegen, weil der Umsatz zurückging und große Unternehmen (wie Henkel) die Gewinne machten. In das Fabrikgebäude zogen eine Reinigung und Färberei ein. Ein neues Gebäude wurde in den Sechzigern angegliedert.
Der schöne Park wurde um 1956 gerodet. Es wurde alles abgebaut und vernichtet. Übrig blieb Brachland. Ich hatte damals (als Schüler) ein kleines Ziergartenstück im elterlichen Garten. Während der Rodungen bin ich abends über die Mauer geklettert und habe mir einige Pflanzen als Ableger geholt.

1956 hat sich auf dem Gelände der Autohandel Jonni Jepsen niedergelassen. Es war eher ein Autofriedhof, der gebrauchte Ersatzteile verkaufte. Es folgten weitere andere Mieter. Zehn Jahre lang lag das Gelände brach, ehe der Bau des jetzigen neuen Häuserblocks begann.
Die freie Fläche wurde als Parkplatz mit langen Holzdächern überdacht. Die alte Mauer verfiel an vielen Stellen. Schon in den Sechzigern wurden Eisenpfähle eingerammt und mit Maschendraht bespannt. Nur in Richtung Ottweilerstraße ist die Mauer noch recht gut erhalten. Peter Schumacher

