Wie können junge Menschen für politische Beteiligung gewonnen werden? Der Ortsbeirat (OBR) Hassee/Vieburg kooperiert ab sofort mit der Gemeinschaftsschule Hassee.
„Ich möchte meinen Senf dazugeben“, sagte eine Schülerin aus dem WiPo-Profil (Wirtschaft und Politik) von Jens Tollknäpper, Konrektor an der Gemeinschaftsschule Hassee, zu Beginn der Sitzung. Was so einfach klingt, ist für die Kieler Kommunalpolitik ein zentrales Anliegen. Denn seit der 370. Sitzung im November 2025 werden Kinder und Jugendliche beim OBR Hassee/Vieburg stärker miteinbezogen. Ihre politische Beteiligung soll geweckt und damit auch der politische Nachwuchs gesichert werden. Der OBR-Vorsitzende Thorsten Becherer (Die Grünen) hat in Jens Tollknäpper einen guten Partner für die nächsten Sitzungen gefunden. „Die Schülerinnen und Schüler erfahren beim OBR, wie Politik im Kleinen funktioniert. Demokratie findet nicht nur in Brüssel statt, sondern auch bei uns vor Ort“, so der WiPo-Lehrer.
Politikunterricht wird zum „Unterricht am anderen Ort“
Möglich wird die Beteiligung der jungen Menschen auch durch eine zusätzliche Unterrichtswochenstunde für Demokratiebildung in der Sekundarstufe 1 (Klasse 7–10) ab dem jetzigen Schuljahr 2027/28. Diese Zusatzstunde wird von Tollknäpper in Projektform behandelt, wobei sich das erste Projekt ganz dem OBR widmet.
Die Teilnahme an den Sitzungen ist dann „Unterricht am anderen Ort“ und wird als Schulstunde angerechnet. Beginn der Sitzungen ist ab sofort um 19 Uhr in der Mensa der Gemeinschaftsschule. In dem festen Tagesordnungspunkt „Kinder und Jugendliche haben das Wort“ konnten sich die jungen Menschen mit ihren Anliegen direkt an den OBR wenden. „Warum gibt es in den Waschbecken vor den Klassenräumen der Gemeinschaftsschule kein fließendes Wasser?“, wollte eine Schülerin wissen. Solveig Seelbach (CDU) begründete dies mit der möglichen Keimbelastung bei Kaltwasseranschlüssen, was vom OBR noch genauer untersucht wird.
Auch bei den Umkleidekabinen in der Helmut-Wriedt-Halle solle nachgehakt werden. Diese könnten nach dem Brand 2023 weiterhin nicht
genutzt werden.
Die Ladestation für E-Scooter im Jugendtreff (KIEL LOKAL berichtete) nimmt weiter Form an. Ein Installationsort wurde bereits gefunden, jetzt geht es um die Frage der Kostenübernahme für die vorgesehene Überdachung.
Bei der Errichtung von Fahrradbügeln vor dem Mädchentreff ReLa geht es ebenfalls voran. „Wir sollten noch genauer sagen, was wir wollen“, sagte Thorsten Becherer. Eine Skizze für den exakten Standort der Ständer sollte nachgereicht werden.

Neue Flüchtlingsunterkunft im Speckenbeker Weg
Bürgermeister Gerwin Stöcken (SPD) und Anja Währer (kommissarische Leiterin des Amtes für Wohnen und Grundsicherung) informierten über die Nutzung des ehemaligen Dienstleistungszentrums Personal des Landes Schleswig-Holstein im Speckenbeker Weg 133. Hier sollen ab 2028 maximal 255 Menschen untergebracht werden, die vor Krieg und Verfolgung geflüchtet sind. Die Ursachen hierfür sind die rückläufigen Zahlen der Geflüchteten sowie die Schließung der Unterkunft im Schusterkrug, die zurück an die Marine geht, und weiterer Einrichtungen. Im Speckenbeker Weg stehen zwei Gebäude zur Verfügung, wobei eines eine Gemeinschaftsunterkunft beherbergen wird, das andere Appartement-Lösungen mit Küche und Bad. „Wir fahren hier ein neues Konzept und möchten die Mietfähigkeit der Bewohnenden prüfen“, sagte Anja Währer. Mehr dazu auf Seite 24
Einwohner fragen und regen an
Ein Bürger beschwerte sich über die Geschwindigkeitsverstöße vor der Gemeinschaftsschule Hassee. Diese gäbe es nicht nur während des Schulbetriebs, sondern auch abends, wenn die Ampel ausgeschaltet ist. „Ein Motorradfahrer war hier mit über 100 km/h unterwegs“, so der Bürger. Der OBR formuliert einen Beschluss, um gehäufte Testungen vor der Schule durchzuführen und Geschwindigkeitsanzeiger oder Blitzanlagen zu installieren.
Der Antrag für eine rauchfreie Zone vor der Gemeinschaftsschule Hassee aus dem Dezember 2025 wurde abgelehnt. „In Zukunft sollen Anträge möglichst so gestellt werden, dass niemand sie zurückweisen kann“, sagte der OBR-Vorsitzende. Marcel Schmidt (SSW) ergänzte: „Werden die Gesuche nicht bis ins Detail verstanden, gibt es seitens der Verwaltung die Neigung, sie abzulehnen.“ Hier wolle der OBR in Zukunft wenig offene Flanken bieten und auch mehr Lobbyarbeit leisten.
Die nächste OBR-Sitzung findet am 15. September um 19 Uhr statt. Hier ist Oberbürgermeister Samet Yilmaz eingeladen, der sich für Ihre Fragen zur Verfügung stellt. CK
