„Am richtigen Platz genauso leistungsfähig“

Arbeitsagentur Kiel @fotograf-kiel.de

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Menschen mit einem Handicap haben nach wie vor Nachteile, wenn es um die Integration auf dem Arbeitsmarkt geht. Grund genug für KIEL LOKAL, mit Petra Eylander, der Chefin der Agentur für Arbeit Kiel, über die Situation von schwerbehinderten Menschen auf dem Kieler Arbeitsmarkt zu sprechen.

Aktuell (Stand 2. November 2017) sind in der Landeshauptstadt Kiel 520 arbeitslose schwerbehinderte Menschen registriert. Das sind 20 Personen oder vier Prozent mehr als vor einem Jahr.

KIEL LOKAL: Der 3. Dezember ist der internationale Tag der Menschen mit Behinderung. Warum ist es der Agentur für Arbeit so wichtig, darauf besonders hinzuweisen?

Petra Eylander: Menschen mit Behinderungen sind am richtigen Arbeitsplatz eingesetzt genauso leis-
tungsfähig wie andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie zeichnen sich oft durch eine besondere Motivation aus und sind gegenüber ihrem Arbeitgeber sehr loyal. Deswegen würde ich mir wünschen, dass der ein oder andere Betrieb mehr in der Landeshauptstadt Kiel über die Einstellung eines schwerbehinderten Mitarbeiters nachdenkt.

KL: Es sind also aktuell noch zu wenige Betriebe, die schwerbehinderte Menschen beschäftigen?

Eylander: Das ist leider immer noch so. Auch wenn die Zahl der schwerbehinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kieler Betrieben in den Jahren 2011 bis 2015 um etwa 6,6% gestiegen ist, hat sich die Beschäftigungsquote de facto nicht bewegt. 5,2% der Arbeitsplätze in Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigen in Kiel sind durch Menschen mit Handicap besetzt. Das Gros dieses Anteils trägt der öffentliche Dienst. Dort sind 6,2% der Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen besetzt. Fünf Prozent ist die gesetzliche Vorgabe.

KL: Was passiert denn mit Betrieben, die diese 5-Prozent-Vorgabe nicht erfüllen?

Eylander: Diese Betriebe zahlen eine Ausgleichsabgabe, die je nach Beschäftigungsquote der schwerbehinderten Menschen gesetzlich festgelegt ist. Da können dann schnell mal ein paar tausend Euro im Jahr zusammenkommen.

KL: Wofür wird dieses Geld eingesetzt?

Eylander: Die gesetzliche Ausgleichsabgabe ist ein Solidarpakt. Sie kommt Betrieben zu Gute, die ihre Beschäftigungspflicht erfüllen und denen daraus erhöhte Kosten wie zum Beispiel für die Einrichtung eines Arbeitsplatzes entstehen.

KL: Gibt es dafür nicht auch Unterstützung von der Agentur für Arbeit?

Eylander: Wir können Betriebe unterstützen, die einen schwerbehinderten arbeitslosen Menschen einstellen. Das wird dann im Einzelfall von unseren Fachleuten im Team für Rehabilitanden und Schwerbehinderte geprüft.

Die Palette der Förderangebote ist breit gestreut. Beispielsweise können Arbeitgeber für ihren Mehraufwand Zuschüsse zum Arbeitsentgelt erhalten. Der technische Beratungsdienst kann eine Arbeitsplatzbegehung vornehmen und dann über durch uns finanzierte Arbeitshilfen im Einvernehmen mit unseren Vermittlern und Beratern vorschlagen. Ich rate deshalb allen interessierten Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern, den direkten Kontakt zum gemeinsamen Arbeitgeberservice von Arbeitsagentur und Jobcentern zu suchen.

Das Telefonat unter der 0800/ 4555520 ist kostenlos. Greifen Sie zum Hörer und fragen Sie gezielt nach der Einstellung von schwerbehinderten arbeitslosen Menschen. Sie treffen garantiert auf offene Ohren!

KL: Herzlichen Dank für das Gespräch, Frau Eylander.

Foto: ©fotograf.kiel.de