Eine echte „Hammer-Tour“

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Als besonderen Service für die Leserschaft von KIEL LOKAL hat der Hasseer Wanderkarten-Verleger Jens Uwe Mollenhauer im Vormonat damit begonnen, interessante Wandertouren im Erscheinungsgebiet vorzustellen. Seine zweite Runde ist die sogenannte „Hammer-Tour“.

Die vor uns liegende Tour ist nur 6,5 Kilometer lang, aber so schön, dass hier auch der Rundweg R1 (grüner Pfeil) und der Naturparkwanderweg (gelber Pfeil) verlaufen. Die Wanderung ist leicht in zwei Stunden zu schaffen.

Wendeschleife der Straßenbahn
Beginn ist an der Bushaltestelle Schulensee/ Eiderbrücke. An dieser Stelle können Sie noch immer die Wendeschleife der 1967 stillgelegten Straßenbahn Linie 1 erahnen. Die damalige Auto-Euphorie ließ keinen Platz mehr für den schienengebundenen Nahverkehr. Die Brücke über den neuen Theodor-Heuß-Ring wurde seinerzeit aus Kostengründen nicht mehr straßenbahntauglich geplant. Das war das Ende der Linie 1 auf Schienen. Nur ganz Alteingesessene werden sich daran erinnern, dass in der Hamburger Chaussee einst Schienen lagen. Heute – nachdem die letzte Bahn vor 36 Jahren durch die Stadt gerumpelt ist – zweifelt kaum noch jemand an der Wiedereinführung einer Stadtbahn.
Eiszeitliche Endmörane
An unserem Startpunkt erreicht die Eider die größte Annäherung an die Kieler Förde, ohne in selbige abfließen zu können. Dank einer hohen eiszeitlichen Moräne macht sie sich auf den langen Weg zur Nordsee. Gut zwei Kilometer werden wir sie dabei begleiten. Auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit flossen in diesem Gebiet aus einem Gletschertor riesige Wassermassen zum Elbe-Urstromtal. Geblieben ist das beschauliche Flüsschen Eider. Nur sehr selten führt die Eider so viel Wasser, dass der Wanderweg unpassierbar wird.

Stromschnellen an der Eider
Neben der Straßenbrücke geht es rechts zum Fluss hinab und auf äußerst idyllischer Strecke dicht an Wasser entlang. Nur sehr selten sieht man hier Kanufahrer. Der Wasserlauf ist schwierig, voller Hindernisse und oft verkrautet. Nachdem wir das Gelände vom Hof Hammer passiert haben, öffnet sich das Gelände bald. Neben einer Reihe großer Kastanien wurde ein ehemaliges Stauwehr vor einigen Jahren durch eine felsige Stromschnelle ersetzt und dadurch auch ein Wanderweg für Fische wiedereröffnet.
Dann erreichen wir schon das Eiderbad, das kleine aber feine Freibad im Kieler Süden. Wer mag, kann hier die Eider überqueren und eine sehr schöne Wanderung durch Molfsee unternehmen – doch das ist schon wieder eine andere Tour für eine spätere Ausgabe. Der Wanderweg setzt sich 100 Meter rechts versetzt fort und kommt bald wieder an der Eider heraus. An der Einmündung der Kuhfurtsau in die Eider gibt es einen hübschen Rastplatz mit Tisch und Bänken. Wer schafft es heute, diesen attraktiven Platz zu ergattern? Doch auch wenn der Platz schon belegt ist, die nächste Chance besteht im nah gelegenen Wildgehege Hammer.

Pferde, Hirsche und Mufflons
Das Wildgehege erreichen wir nach 700 Metern, überqueren links auf der Straße die Au und sehen vor uns den Parkplatz und eine nette Schutzhütte. Familien werden nun eine spannende Runde durch den Tierpark machen, die dank reichlich vorhandener Halbwildpferde, Rothirsche, Damhirsche, Mufflons und Gänse auch den ermattetsten Kleinen neue Lebenskraft einflößt. Wer es spannender liebt, durchwandert das Stiftungsland auf wegloser Wildwiese und begegnet dort urzeitigen Rindern Aug in Aug. Die Tiere sind liebenswürdig und harmlos. Dennoch müssen Sie sich ihnen nicht unnötig nähern.

Sumpfgebiet „Russ-See“
Das Tiergehege verlassen wir über dieselbe Brücke, auf der wir hineingekommen sind. Wenige Meter weiter folgen wir links dem Weg durch den Wald. Immer links haltend nähern wir uns nach 500 Metern wieder der Au. Links breitet sich bis zur Rendsburger Landstraße und zum Vorderen Russee ein großes undurchdringliches Sumpfgebiet aus. Dies ist der Rest des längst verlandeten Hinteren Russee, der eigentlich „Russ-See“ hieß und als solcher auf alten Karten eingezeichnet ist. Der Vordere Russee hieß damals „Hass-See“.
Diese ganze Seenkette, zusammen mit dem Mühlenteich in Demühlen und dem Drachensee, entwässert letztlich über dieselbe Au und die Eider in die Nordsee. Die Kuhfurtsau zu unserer Linken wird bald abgelöst vom Vorderen Russee, dessen weitgehend unzugängliches Ufer unweit des Weges verläuft. So umrunden wir das Südufer und erreichen das östliche Ende des Sees mitten im Wald.
Kurz nachdem wir die kleine Speckenbeker Au überquert haben, rechts ab – den Speckenbeker Weg überqueren und weiter auf dem Wanderweg ins Drachenseegebiet. Zwei steile Wege führen rechts in die Siedlung hoch. Der zweite ist unserer. Oben am Hammerbusch links versetzt in den Kiesgrubenweg, der wieder am Speckenbeker Weg endet mit Ausblick auf unseren Startpunkt.
Die vorgestellte Tour ist dem „Kieler Wanderatlas“ entnommen. Den Atlas gibt es bei jeder Buchhandlung in Kiel und Umgebung sowie bei www.mapfox.de.

Geführte Wandertouren
Wer möchte, kann diese Tour am Mittwoch, 15. September, mitwandern. Start ist um 18 Uhr an der Bushaltestelle Schulensee.
Weitere Termine zum Mitwandern mit Jens Uwe Mollenhauer erfahren Sie über die Mailingliste wanderatlas@projektnord.de oder über die Telegram-Gruppe t.me/kielwanderatlas.

Text und Foto: Jens Uwe Mollenhauer