Konzept zur Abfallvermeidung

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Die Landeshauptstadt Kiel ist nicht nur Klimaschutzstadt und hat kürzlich den Deutschen Nachhaltigkeitspreis gewonnen. Kiel will sich auch als erste deutsche Stadt vom internationalen Netzwerk Zero Waste Europe offiziell zertifizieren lassen.

Als „Zero.Waste.City“ möchte Kiel das Müllaufkommen deutlich verringern, Ressourcen schonen und so der Vision „Null Abfall“ (englisch: zero waste) Schritt für Schritt näherkommen. Den Weg dahin soll ein umfangreiches Konzept weisen. In dem 270 Seiten starken Zero-Waste-Konzept wurden vom Wuppertal Institut spezifische Abfallvermeidungspotenziale für Kiel identifiziert, Grundlagen erläutert, der Ist-Zustand analysiert und gemeinsam mit den Kieler*innen mehr als 100 ausgewählte Maßnahmen für private Haushalte, Bildungseinrichtungen, Gewerbe, Handel und Veranstaltungen sowie für die öffentliche Verwaltung und eine Umstellung des Kieler Abfallsystems vorgeschlagen.

Mit dem Konzept will sich Kiel um die offizielle Zertifizierung als „Zero.Waste.City“ bewerben. Zunächst beschäftigen sich die kommunalpolitischen Gremien mit dem Konzept, erst die Ausschüsse und im November dann die Ratsversammlung. Umweltdezernentin Doris Grondke wirbt um Zustimmung: „Zero Waste muss überall Einzug finden, ob zu Hause, am Arbeitsplatz, in der Schule, in der Politik oder in der Stadtverwaltung. Gemeinsam können wir unsere ambitionierten Ziele erreichen – verbunden durch das Wissen, die Welt Schritt für Schritt lebenswerter und klimagerechter zu gestalten.“

Das Zero-Waste-Konzept bildet den kommunalen Handlungsplan zur Abfallvermeidung in Kiel. Unter anderem nennen die zwei übergeordneten Ziele des Konzepts konkrete Zahlen für die Müllreduzierung. So soll die Restabfallmenge (Haus- und Geschäftsabfälle) in Kiel bis 2035 um 50 Prozent auf durchschnittlich 85 Kilogramm pro Kopf und Jahr sinken. Langfristig sollen es weniger als 50 Kilo-gramm sein. Die jährliche Gesamtabfallmenge der Siedlungsabfälle proKieler Kopf soll bis 2035 um 15 Prozent auf durchschnittlich 424 Kilogramm reduziert werden.

Siedlungsabfälle umfassen Haushaltsabfälle und ähnliche gewerbliche und industrielle Abfälle. Dazu gehören unter anderem Sperrmüll, Verpackungen, Garten- und Parkabfälle, aber auch andere Abfälle, Marktabfälle und Straßenkehricht sowie die von öffentlich-rechtlichen Entsorgern erfassten Bauund Abbruchabfälle.

Diese Ziele beruhen auf den Kieler Abfallzahlen für 2017, die bei der Konzepterstellung zur Verfügung standen. Im Jahr 2017 fielen in Kiel 123.166 Tonnen Siedlungsabfälle (498 kg pro Person) an. Darunter waren unter anderem 41.976 Tonnen Restabfall (170 kg pro Person),
aber auch 47.027 Tonnen getrennt erfasste Wertstoffe (insgesamt 190 kg Papier, Glas, Verpackungen und Bioabfälle pro Person) und 6.285 Tonnen Sperrmüll (25 kg pro Person).

Damit die gesetzten Ziele erreicht werden können, werden zahlreiche einzelne Maßnahmen vorgeschlagen. Die sechs Maßnahmen, mit denen in die Umsetzungsphase gestartet werden soll, stehen auch gleich in der Beschlussvorlage. So soll das Thema Zero Waste in Kiel sichtbar gemacht werden und ein Beirat (Zero Waste Advisory Board) die Umsetzung des Konzepts begleiten und überwachen. Eine Analyse wird zeigen, was genau im Kieler Restmüll steckt. Geprüft wird, ob die Abfallgebühren nach tatsächlich anfallenden Mengen statt nach Tonnenvolumen berechnet werden können (englisch: pay as you throw), um auch wirtschaftliche Anreize zur Abfallvermeidung zu geben. In allen städtischen Dezernaten, Ämtern und Einrichtungen soll es ein Einwegverbot geben. Außerdem sollen Zero-Waste-Schulen etabliert und gefördert werden. Das Zero-Waste-Konzept ist im Internet unter www.kiel.de/zerowaste zu finden.

Foto: ©Stas Knop/Pexels