Multimodal unterwegs sein

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Das Fahrrad, Bus & Bahn und Carsharing miteinander verbinden, kombiniert nutzen – das bedeutet „multimodale Mobilität“ und ist die Zukunft unseres städtischen Verkehrs. Einen Baustein dazu hat Kiel nun schon seit zehn Jahren: den Umsteiger. Herzlichen Glückwunsch!

Kiel steigt um – und das seit einem Jahrzehnt. Anfang 2010 wurde der Umsteiger am Kieler Hauptbahnhof eröffnet, in diesem Jahr feiert die Servicezentrale und Radstation ihr zehnjähriges Bestehen. In der Servicezentrale informieren und beraten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) über verschiedene Angebote in Kiel und Schleswig-Holstein. Die Radstation besteht aus Fahrradparkhaus sowie Fahrradservice mit Verleih und Werkstatt. Betrieben wird die Radstation von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Brücke Schleswig-Holstein gGmbH. Sie bietet 630 bewachte, wettergeschützte Stellplätze und Möglichkeiten zur Reparatur und Inspektion.

Zum zehnten „Geburtstag“ des Umsteigers ziehen die Landeshauptstadt Kiel als Bauherrin und die Brücke Schleswig-Holstein als Betreiberin eine positive Bilanz. Für Kiels Bau- und Umweltdezernentin Doris Grondke steht fest: „Wir können hier zurecht von einer echten Erfolgsgeschichte sprechen. Für Kiel als Fahrradstadt ist der Umsteiger enorm wichtig. Vor allem die Lage hat sich als ideal erwiesen – schließlich steigen am Hauptbahnhof täglich tausende Menschen zwischen Zug, Bus, Schiff oder eben dem Rad um. Der Umsteiger hat Vorbildcharakter – nicht nur für andere Radverkehrsprojekte in Kiel, sondern auch über die Grenzen unserer Stadt hinaus.“

Daniel Grade, Verbundmanager berufliche Rehabilitation und Integration Kiel bei der Brücke Schleswig-Holstein gGmbH, freut sich ebenfalls, „dass unsere Werkstatt mit ihren Angeboten mithilft, Kiel noch fahrradfreundlicher zu machen.“ Zudem seien hochattraktiven Arbeitsplätze für Menschen mit und ohne Behinderung entstanden. „Hier gibt es kaum noch Unterschiede zu Tätigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und niemand nimmt meinen Arbeitsplatz als beschützte Werkstattarbeit wahr“, erklärt einer der drei Beschäftigten der Radstation.

Die Werkstatt in der Radstation bietet das ganze Jahr über einen Reparaturservice an. Wer ein Leihrad benötigt, wird ebenfalls fündig: Es steht eine große Anzahl moderner Cityräder bereit.
Die 630 bewachten Fahrradstellplätze im Umsteiger wurden seit Eröffnung kontinuierlich immer besser nachgefragt, sodass in Spitzenzeiten eine Auslastung von nahezu 100 Prozent erreicht wurde. „Insbesondere in den Sommermonaten 2019 und während der Kieler Woche waren die Stellplätze in der Radstation am Bahnhof schon mal knapp“, erklärt Verbundmanager Grade. Vor diesem Hintergrund könne durchaus über eine Erweiterung und oder andere Standorte in der Landeshauptstadt Kiel nachgedacht werden.

Neuestes Projekt ist eine Kooperation mit dem Atlantic Hotel am Hauptbahnhof, das mit den Leihrädern des Umsteigers Wochenendpakete anbietet. „Und wir setzen auch weiterhin auf gute Kooperation und vernetzte Angebote mit anderen Gewerbetreibenden, die mehr für die umweltfreundliche Fahrradmobilität tun wollen“, macht Daniel Grade deutlich.
Alle Informationen zum Umsteiger und seinen Angeboten finden Sie im Internet auf der Seite www.kiel.de/umsteiger.

Auswärtigen Auto-Verkehr wird man nicht so einfach abstellen können. Aber den Kielern, die mit dem Auto innerhalb von Kiel zur Arbeit fahren, muss eine Alternative geboten werden. Manche wollen oder können aus körperlichen Gründen nicht mit dem Fahrrad fahren.

Die Busse sind viel zu groß und schwerfällig, alles geht über den Hauptbahnhof und braucht ewig für eigentlich kurze Strecken (außerdem viel zu teuer!). Es müssten Kleinbusse in der Größe, wie sie zum Beispiel die Minicar-Zentrale fährt, kreuz und quer eingesetzt werden, und zwar mindestens viertelstündlich.

LESERBRIEF
In manchen Städten gibt es Bustickets für 365 Euro im Jahr im innerstädtischen Bereich, also ein Euro am Tag, egal welche Linie, das bräuchten wir auch. Bevor es keine anständigen Alternativ-Angebote gibt, werden die Leute auch weiterhin das Auto benutzen.
Ich selber bin übrigens Radfahrerin und nutze jeden Tag die neue Veloroute 10, ein Traum, das Beste, was in den letzten Jahren in Kiel entstanden ist. – Bitte auch davon mehr!
M. Borgmann

Im Februar hatte KIEL LOKAL nach Ihrer Meinung zur Verkehrspolitik gefragt. Wir sind weiter ganz Ohr: redaktion@kiellokal.de.