Alternativ Wohnen anno 1930

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Das sechste Geschichtsjournal berichtet, neben anderen spannen-den Themen, vom Russeer Redderkamp und wie man in den 1930er-Jahren mit einer außergewöhnlichen Wohnweise die dortigen Bauvorschriften der Gemeinde erfolgreich umgehen konnte.

In der aktuellen Ausgabe des Geschichtskreises „Rund um den Russee“ setzt Robert Bartels die Reihe „Geschichte und Geschichten aus dem Redderkamp“ fort. Nachdem der Hobbyhistoriker bereits über drei alte Fachwerkhäuser am Anfang des Redderkamps berichtet hatte, wurde er von einer Anwohnerin auf weitere Geschichten angesprochen. Daraufhin recherchierte er im Kieler Stadtarchiv und sprach mit Russeern.

Ihren Namen erhielt die Straße am 19. August 1929 durch den Gemeinderat Russee. Er leitet sich von den niederdeutschen Begriffen „Redder“ und „Kamp“ ab und bedeutet so viel wie „Weg zwischen Koppeln“ und „mit Wällen oder Gräben umzogenes Feld“.

In den 1920er- und 1930er-Jahren wurden dort 14 neue Häuser gebaut, die zunächst von sieben Familien bezogen wurden. In den Folgejahren zogen weitere Familien in die leerstehenden Häuser. Darunter auch die Familie Ladewig, die sich anstelle eines Hauses einen Eisenbahnwaggon in den Garten stellte. Grund für diese alternative Wohnweise waren die Bauvorschriften der Gemeinde Russee, die besagten, dass alle Häuser direkt an der Straße errichtet werden sollen. Doch dies galt nicht für Bahnwaggons, und so konnte Herr Ladewig die Vorschriften umgehen.

Diese Geschichte überraschte Robert Bartels, da es während des Nationalsozialismus vornehmlich streng und einheitlich zuging: „Das Thema hat mich fasziniert, dann habe ich Fotos bekommen und ich war beeindruckt. Ein echtes Highlight.“

In der nächsten Ausgabe soll es mit „Geschichte und Geschichten aus dem Redderkamp“ weitergehen. Im dritten Teil schreibt Bartels über die Nachkriegszeit und wie arbeitslose Russeer Häuser für Geflüchtete bauten. Im letzten Teil der Reihe geht es um die Entstehung des „Berliner Viertels“.

Wer selbst interessante Geschichten aus Russee, Hassee und Hammer zu berichten hat oder alte Fotos und Dokumente besitzt, ist herzlich zum Stammtisch des Geschichtskreises eingeladen. Jeden Monat, abwechselnd am letzten Dienstag oder Donnerstag, treffen sich alle Geschichtsbegeisterten um 19 Uhr in der Sportgaststätte am Russee, um sich auszutauschen. Der nächste Stammtisch findet am 22. Februar statt.

Das neue Geschichtsjournal ist ab 1. Februar für vier Euro bei Zeitschriften Zimmermann in der Rendsburger Landstraße 359 und bei KIEL LOKAL, Alte Eichen 1, zu erwerben.

(Text: Tomke Martens; Foto: ©Robert Bartels)